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Benjamin Bembé

Foto: Bembé

Seit sechs Jahren bist du nun nicht mehr Lehrer an unserer Schule. Was hat dich damals dazu veranlasst, die Schule zu verlassen und (zurück) an die Uni zu gehen?
Ich habe schon immer, auch während der Zeit an der Schule versucht, zusätzlich zu meinem Beruf als Lehrer ein bisschen wissenschaftlich weiter zu arbeiten und zwar an der Zoologischen Staatssammlung in München. Dort habe ich auch meine Promotion fertig gemacht. Und auch zum Thema Steinzeit und Urgeschichte Ägyptens habe ich hobbymäßig geforscht. Aber die Zeit für solche wissenschaftlichen Nebentätigkeiten war natürlich immer zu kurz - also griff ich eben zu, als es sich einmal anbot, ganz einzusteigen. Immerhin war ich zu dem Zeitpunkt ja auch schon 16 Jahre lang als Lehrer tätig.


Vermisst du deine Zeit an der FWSL manchmal?
Die Schüler und Schülerinnen der Oberstufe und diejenigen, die ich im Zirkus als auch auf Klassenfahrten begleitet habe, die fehlen mir bis heute – und das ist die unschöne Seite der neuen Medaille.


Gibt es denn auch Dinge, die du nicht vermisst?
Schriftliche Arbeiten zu korrigieren und Zeugnisse zu schreiben, das vermisse ich in der Tat nicht so sehr. Ebenso wie die ein oder andere Konferenz… aber nicht alle natürlich.

Was hast du denn seitdem so gemacht?
Seitdem bin ich an der Universität Witten/Herdecke als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt und forsche dort am Institut für Evolutionsbiologie und Morphologie [Anmerkung d. Red.: Erstere untersucht die Entstehung von Arten und sucht nach den Ursachen für deren Entwicklungsprozesse, letztere ist die Lehre von der äußeren Körpergestalt, dem Aufbau der Organismen und den Lagebeziehungen ihrer Organe]. Dabei geht ein Drittel meiner Zeit in den Bereich Lehrerbildung und zwei Drittel in die Forschung.

Und was hat dich an deiner Tätigkeit in letzter Zeit besonders gereizt?
Besonders interessant war eine berufliche Reise nach China, wo ich im Dienst der Lehrerbildung unterwegs war.

In China? Wow, wie kam es dazu?
Ich wurde Ende letzten Jahres von der Alanus-Hochschule angefragt und Mitte Januar ging es dann auch schon los. Ich habe zwei Intensivseminare zum Thema Biologie-Didaktik für die Klassen 7-9 und für die Oberstufe gegeben.

Lässt sich denn die Waldorfpädagogik einfach auf die chinesische Kultur und Mentalität übertragen?
Nein, natürlich ist zum Beispiel ein Parzival nicht so ohne weiteres übertragbar, aber es lässt sich ja auch Vergleichbares in der eigenen Kulturgeschichte finden.

Hat die Begegnung mit Land und Leuten deinen Erwartungen entsprochen oder gab es auch Überraschungen?
Ich hatte sehr wenige Erwartungen, zumal mir erfahrene China-Kenner schon vorab gesagt hatten, dass alles ganz anders sein würde, als man schlechthin meint, Stichwort: Überwachungsstaat. Es gab dann aber in der Tat sehr positive Überraschungen in Bezug auf die Menschen, denen ich begegnet bin, denn diese waren unglaublich ausgeglichen, offen und wissbegierig, gleichzeitig aber auch sehr freilassend anderen gegenüber. Zudem ist mir sehr positiv aufgefallen, wie die Chinesen Schwierigkeiten mit Offenheit begegnen. Sie fragen sich eher „Wie bringe ich das Problem aus der Welt?“, anstatt sich zu überlegen, wie Dinge möglicherweise noch schlimmer werden könnten. Ihre Grundhaltung ist positiv, optimistisch und pragmatisch. Sie suchen nach Lösungen - mit Freude und Begeisterung!

Kannst du dir vorstellen, irgendwann auch mal wieder als Lehrer an einer Waldorfschule zu unterrichten?
Ja, das kann ich mir theoretisch sehr gut vorstellen, denn, wie gesagt, die jungen Menschen und die Lebendigkeit an der Schule fehlen mir schon sehr. Nun, wir werden sehen, was die Zukunft bringt! Bis dahin komme ich aber auf jeden Fall zumindest besuchsweise, wie zum Beispiel im September, um einen Vortrag zum Thema „Biodiversität und Gesundheit – eine Frage der Balance“ zu halten.

Wie schön. Wir freuen uns schon darauf!

Info

52 Jahre alt 


aufgewachsen in München


2 erwachsene Kinder 


1993-98 Biologie und Geographie


2002-18 Lehrer für das Fach Biologie an der FWSL

Gründung und Leitung des „Circus Piccolo“


seit 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Evolutionsbiologie und Morphologie an der Universität Witten/Herdecke